Herrschaft und Profit







Erst kürzlich hing ich mal wieder meinen Gedanken nach - nämlich über die Bedeutung von Herrschaft und Profit: Wie tief diese Begriffe als Pfeiler bzw. Prinzipien einer vor-"herrschenden" Gesellschaftsordnung und deren  Ausrichtung allein in unserem täglichen Sprachgebrauch und unserem Sozialverhalten verankert sind.

Wir beherrschen die Märkte, herrschen über das Volk, herrschen über Länder, beherrschen verschiedene Sprachen, beherrschen Wissen, beherrschen unsere Gegner und Konkurrenten, wir erobern den Himmel um ihn zu beherrschen, wir geben uns devot in Gegenwart von Herrschaft(en), wir üben uns in Selbstbeherrschung (wovon ich allerdings nur wenig sehe) und beherrschen das Kleine und das Grosse Einmaleins.

Und wir tun das um zu profitieren. Wir profitieren von diesem oder jenem. Wir profitieren von unter Selbstbeherrschung ausgehandelten Verträgen, profitieren von der Dummheit anderer, tun in der Regel nur dann etwas für uns oder andere wenn ein entsprechender Profit dabei rausspringt. Wir profitieren wenn wir uns bestehenden Herrschaftssystemen und deren Hierarchien bedingungslos anpassen.

Wir brauchen maximale Kontrolle über uns und unser Leben um zu profitieren und unsere Selbstbeherrschung nicht zu verlieren.

Die Vorstellung ein Leben zu führen, in einer gemeinschaftlichen Ordnung zu leben die durch Abwesenheit von Herrschaft & Profit glänzt, z.B. weil niemand mehr einen Sinn darin sieht alles an sich zu reissen und kontrollieren wollen zu müssen um was "rauszuholen" scheint geradezu absurd (mit Betonung auf eine seltsam pathologische Zwanghaftigkeit, die irgendwie als "normal" betrachtet wird). Denn das würde doch sofort Chaos und Anarchie nach sich ziehen, nicht wahr?  Niemand würde mehr profitieren weil niemand mehr herrschen will oder muss..... oder was ?

Heißt das nicht eigentlich, dass es zumindest die Überlegung wert wäre, nachzuforschen wer oder was eigentlich von Herrschaft & Kontrolle innerhalb unserer modernen, anonymen  Gesellschaften am meisten profitiert ?

Natürlich all die kleinen und grossen Herrscher, Profiteure, Kontrolleure und das sind letztlich wir alle. Und wir folgen den Wortführern der Herrschaft des Profits und der maximalen Kontrolle über alle Aspekte unseres Lebens bedingungslos - weil wir natürlich auch UNSER Stück vom Kuchen abhaben wollen - und solange der Lauf der Welt vom Einfluß und den Machenschaften von Heerscharen von Hehlern, Dealern, Maklern, Spekulanten und Sahneabschöpfern ( gerne als "Experten" und "Berater" tituliert, die uns mit wohlklingende Worthülsen und entsprechenden Honorarforderungen zu beruhigen suchen ) wie können wir da auf "Bessere Zeiten" auf "Nachhaltigkeit" hoffen ? Solange wir vor lauter Angst vor der Wirklichkeit in die Knie gehen, solange tagtäglich geschehen darf was laut leidkulturellem Mediengeplapper eigentlich garnicht sein kann und wir lieber verdrängen und ignorieren was nicht ins vorprogrammierte Gesellschafts-Design passt, solange werden sich Herrscher, Profiteure und Berater aller Couleur fröhlich die Hände reiben und in gnadenloser Selbstüberschätzung weiter am eigenen Ast sägen.
Das schadet dem Wald schon nicht....
 Es ist in einem solchen Zusammenhang immer erstaunlich zu beobachten, dass wenn man nur ansatzweise seine Gedanken in eine solche Richtung zu formulieren beginnt, herrisch (oder väterlich-jovial) auftretende Protagonisten des selbsternannten wie offiziellen Expertentums auflaufen, um auch nur den (subtilsten) Gedanken an eine Welt der Abwesenheit von Herrschaft & Profit sofort in das Reich der Fabeln, Mythen, des Post-Kommunismus, der unerreichbaren Ideale oder des Gutmenschentums hinweg zu rationalisieren.

Sozusagen ein Warnschuss vor den Bug (öfters auch aus der Hüfte geschossen) und mit aller Munition derer man habhaft werden kann. Interessant ist dabei aus meiner Erfahrung , dass die geistig Unfreien in der Regel diejenigen in ihrer Freiheit zu beschneiden suchen, die sich jene Freiheiten nehmen, für die dem Unfreien der Mut zur Freiheit fehlt.


Dann sind wir plötzlich wieder die unbelehrbaren Raubtiere, heißt es, unfähig uns über unsere niederen Instinkte und vermeintlich genetischen Dispositionen zu erheben, wofür es natürlich auch jede Menge logisch zu erklärender Ursachen gibt, deren Zusammenhänge man jedoch stets wissenschaftlich akkurat eruieren muss - schliesslich sind wir ja zivilisiert (Wie jetzt ? Also doch ?).

So hirnverbrannt-lustig solch seltsame Widersprüche aber auch sein mögen - in der Regel lachen oder schlucken wir angesichts des alltäglichen Wahnsinns in unseren Reihen und gehen sogleich zur Tagesordnung über - ohne das Wie und Warum der offensichtlichen Spaltung menschlichen Seins und Bewusstseins
zu hinterfragen und sei es auch nur im eigenen Umfeld.

Dafür gibt es ja Mediziner, Psychologen und Psychiater die die Materie beherrschen und selbstverständlich von jeder Art Krankheit zwecks "neuer Erkenntnisse" profitieren, wie natürlich auch der vermeintliche Patient von den Segnungen der Medizin stets nur profitiert.

Überzeugt einen das immer noch nicht wird man a. automatisch zum "Spinner"** (der seine Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle verloren hat und deswegen doppelt kontrolliert & behherrscht werden muß) und/oder b. zum "Verlierer", weil man dann schliesslich nicht mehr profitiert (von was auch immer) und sich von wem auch immer willfährig beherrschen und herumschubsen lassen muss...

So faselt man dann beherrscht oder unbeherrscht - je nach Gemütslage - über systemische Sachzwänge, Notwendigkeiten, unvermeidliche Alternativlosigkeit,  Kompromisbereitschaft und "Flexibillität" in der Hoffnung dann zumindest aus solchen Diskussionen Profit zu ziehen, die Materie zu "beherrschen".

So betrachtet leben wir derzeit tatsächlich schon in einer Art Idiokratie für minderbemittelte Hehler, Bauernfänger & Profiteure mit sozialdarwinistischem Subtext, das ganze grob mit demokratischer  Vorstreichfarbe bekleckert, als das zumindest "gefühlt" Beste aller Systeme an den Börsen gehandelt - ohne auch nur in Erwägung zu ziehen, dass das doch bei Weitem nicht das Ende aller Weisheit sein kann ?


Alles entwickelt sich in diesem Universum weiter, nur um Gottes Willen nicht bei mir/uns auf dem Blauen Planeten, in unserem schönen Deutschland, dem es laut Merkel geradezu nervtötend "gut" geht ? Von Pfarrer Gauck will ich garnicht erst anfangen (müssen)...

Also ehrlich: Die Grenze zum Zynismus im Verbund mit schizoider Realitätswahrnehmung als beissende Realsatire über unsere Flatscreens flimmernd, wird allmählich immer drastischer überschritten.

Mir wäre es lieber wir würden es einfach mal drauf ankommen lassen unsere "Beherrschung" zu verlieren - dass dadurch Chaos, Anarchie und Zerstörung folgen müssen, die nicht durch irgendwen angestachelt wurden um davon zu profitieren und mit gemischten Karten erneut zu herrschen oder wir deshalb zwangsläufig in die Steinzeit zurückfallen,  dafür sehe ich keinerlei stichhaltigen Beweis...

Also, es bleibt dabei : Qui bono - wem nützt all dies ?

Eigentlich doch niemandem, mal so ganz spontan aus dem Bauch raus beantwortet und mit Blick auf ein wirklich harmonisches Miteinander mit und auf diesem doch so wunderschönen Planeten ?

Wer oder was verbirgt sich also hinter dieser unbeleuchteten Grauzone elendserzeugender Schweinereien, Lügen und Heuchelei, in der die Welt gefälligst aus der Perspektive eines zwar hochintelligenten aber gewissenlosen und stets angriffs- und verteidigungsbereiten Raubtiers (mit Diplom!) wahrzunehmen ist ?


Ein hartnäckiger Parasit womöglich ?





"Leute die die Erwerbslosen und Bedürftigen als "Parasiten" abqualifizieren missverstehen Ökonomie und Parasitismus. Ein erfolgreicher Parasit ist einer der von seinem Wirt nicht erkannt wird, einer der seinen Wirt für sich arbeiten läßt ohne als Bürde in Erscheinung zu treten. Eine solche (Bürde) ist die herrschende Klasse in einer kapitalistischen Gesellschaft."

Jason Read


 
"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass gemeine Menschen aus gemeinen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden."

John Maynard Keynes





**Aktuell auch gern als Verschwörungstheoretiker oder Antisemit abgebügelt