Er war ein Begleiter von denen es nur wenige in meinem Leben gab, denn echte Freunde sind rar und wahre Freundschaft zeigt sich immer dann, wenn es eng wird im Leben, wenn die Masken fallen, wenn dunkle Stunden schlagen. Siebzehn Jahre lang hat er treu an meiner Seite gelebt, war bis auf seinen unerwarteten Abschied niemals ernsthaft erkrankt und man kann durchaus sagen, dass wir zusammen alt geworden sind.
Sein Name: Schrödinger, 17, ein waschechter Berliner, im Kiez bekannt als einfach "Schrödi".
Jetzt, nachdem wir Abschied nehmen mussten wurde mir erst richtig klar, dass Schrödi das letzte verbliebene Bindeglied zwischen meinem alten Leben und einem neuen Lebensabschnitt war, der mein Dasein nachhaltig bereichert hat : Auch dank meiner späteren Frau und eines weiteren Freundes, welche beide nicht lang nach Schrödi in mein Leben traten : Ein Wendepunkt der unverhofften Art !
Unser Tierarzt meinte am Ende von Schrödingers Weg noch, dass man wohl immer das Haustier bekommt was man verdient und in diesem Sinne bin ich einfach nur dankbar für siebzehn glückliche Jahre - mit den üblichen Höhen und Tiefen natürlich...
Schrödi war kein ausgesprochener Schmusekater und zu Zeiten etwas mürrisch, gleichsam kauzig, was wohl mit einer leichten Behinderung zu tun hatte die er von kleinauf mit sich herum trug und die ihn sowohl in seiner Bewegung einschränkte, als auch zu einem Sonderling machte, einem sehr Klugen dazu.
Trotzdem war er niemals aggressiv, launisch oder ablehnend, im Gegenteil : Schrödi war ein "Menschenkater" der menschliche Gesellschaft suchte und sich auch mal bei dem einen oder anderen Nachbarn blicken ließ - sofern er denn die Gelegenheit dazu bekam.
Allerdings haben wir ihn auch nie übermäßig verhätschelt oder gar vernachlässigt.
Er war kein vorzuführendes "Pet", kein Kindersatz oder Statussymbol, sondern ein vollwertiges Familienmitglied, ein treuer Freund und toller Mitbewohner.
Wir werden unseren Schrödi sehr vermissen.....
In den letzten Jahren schien er sich allerdings einsam zu fühlen, auch wenn wir in dieser Zeit in eine ruhigere Gegend zogen, in der er nicht nur auf unsere vier Wände beschränkt bleiben musste.
Als wir uns dann kurzentschlossen einen kleinen quirligen Jungkater zulegten, der das genaue Gegenteil von Schrödi ist, zeigte sich abermals sein ruhiger und gelassener Charakter : Er nahm den Kleinen ohne den geringsten Widerspruch an und wurde zu einem regelrechten Katzen-Pflegeonkel.
Bis zum letzten Tag haben sich die beiden Kater so gut verstanden als wären sie zusammen aufgewachsen - von gelegentlichen aber harmlosen Balgereien mal abgesehen.
Und das ist unter Katzen sicher nicht die Regel !
Danke mein Schrödi, du warst ein guter Freund, vielleicht der Beste den ich hatte, denn diese wunderbaren Wesen, die wir "Tiere" nennen leben & lieben bedingungslos - ohne Anspruch und ohne Vorbehalt.
Mach's gut, Katerchen.... ;)
