Mit
diesem kleinen Entzugsprogramm aus meiner Hausapotheke kann schnell
Abhilfe geschaffen werden, um die Angst vor Tellerrändern (und das
Unbekannte hinter dem Fernseher) erfolgreich zu überwinden und sich
frische Perspektiven zu erschliessen:
Das
Programm
1.
Nehmen sie ihren Jahresurlaub.
2.
Schmeißen sie ihre Glotze in hohem Bogen aus dem Fenster, möglichst
ohne Nachbarn zu belästigen oder Passanten zu verletzen.
3.
Merke: Erwähnen sie niemals, dass sie sich ihres Televisors
entledigt haben, denn der leiseste Verdacht, einfach frech
ausgeschert zu sein, wird dazu führen, dass in ihrem Umfeld lebende
TV-Junkies “aus reiner Hilfsbereitschaft” versuchen werden ihnen
(bestürzt über ihre Schandtat) irgendwelche unbenutzen Zweitgeräte
“vorübergehend” aufzuschwatzen. Oder es werden gleich ganze
Schubkarrenladungen voll funktionstüchtiger Altgeräte ungefragt vor
ihrer Haustür abgestellt.
4.
Versuchen sie sich in der Zeit des kalten Entzugs mit nix
Medienrelevantem zu beschäftigen: Machen sie statt dessen
Gartenarbeit, Musik, eine Rucksacktour auf gut Glück, betreiben sie
Bienenzüchtung oder auch Yoga oder rauchen sie meinerwegen erstmal
ein paar Joints oder trinken ein paar Gläschen Wein (aber bitte jeweils nur ein paar sonst rutschen sie von der
TV-Sucht in die THC Substitution bzw. Alkhohol-Abhängigkeit, von der dann in erster Linie ihre
lokalen Dealer/ Spirituosenhändler etwas haben, aber nicht sie).
5.
Nach Ende des regulären Urlaubs sofort unbezahlten Urlaub antreten
(mind. 3 Monate) und Kündigung vorbereiten (Falls sie erfolgreicher
Medienschaffender waren, dürfte finanziell ja was hängengeblieben
sein).
6.
GANZ WICHTIG: Zwischen Woche 1 und 12 wird sich wiederholt kalter
Entzug einstellen. Geben Sie dem unter KEINEN UMSTÄNDEN nach, sonst
werden sie sich - wie alle Junkies - ruckzuck vor der Glotze und mitten
im Medienbetrieb wiederfinden (erst recht wenn sie dann doch zuviel
gekifft/ getrunken haben “um die Anspannung zu mildern”).
7.
Nach etwa 6-8 Wochen aufrichtiger Konzentration auf nützliche,
kreative, lebensbejahende Tätigkeiten (nicht Dinge von denen man
während des Konsums auch gleichermaßen selbst konsumiert wird)
sollte sich ein Gefühl der Läuterung, des Erstaunens, der Klarsicht (“Ach, SO
ist das also !!?”) einstellen.
Genießen
sie das ohne dem seltsamen Juckreiz nachzugeben, es unbedingt
(medial) der gesamten Weltöffentlichkeit mitzuteilen zu müssen.
Dazu gehört auch das sogenannte “twittern” von Facebook ganz zu
schweigen. (Vorsicht: Junkies suchen IMMER nach einer Ausrede um doch
wieder…nur ein bisschen…sie wissen schon)
8.
Bleiben sie auch den Rest des Jahres nüchtern. Die seelische
Abhängigkeit wird bleiben, ist leider so. Widmen sie sich zwecks
Linderung z.B. ausgestiegenen Kollegen wie Ken FM, Uli Gellermann oder Christoph
Hörstel
9.
Halten sie konsequent durch, wird sich am Ende ihre gewohnte
(medial-konditionierte) Sicht auf die Dinge positiv verändert haben.
Sie werden zweifelsfrei erkennen, dass sie wertvolle Jahre ihres
Lebens an einen Medienapparat verschwendet haben, der entgegen der
steten Beteuerung doch “nur” der Unterhaltung, ja gar der
“Bildung” des äh Bürger-Zuschauers zu dienen, ausschliesslich
sich selbst, dem “The show must go on” dient – eine Erkenntnis, die
sich erst nach gründlicher “Entgiftung” erschliesst.(Ansonsten
würden sich ja ständig Mitarbeiter selbst entlassen oder einem
ständig in hohem Bogen aus dem Fenster geworfene Glotzen um die Ohren fliegen – reductio ad absurdum).
10.
Schauen sie sich einen oder mehrere Ausschnitte des Films “Network”
von Sidney Lumet auf You Tube an, der fälschlicherweise immer als
“Mediensatire” gehandelt wird. Ha! Der Trick zog vielleicht in
den Siebzigern…(“Holzauge sei wachsam”). Aber tun sie das bitte
erst wenn sie erfolgreich entgiftet haben (siehe Punkt 6).
Desweiteren
werden sie feststellen, dass es zwar viele Meckerer gibt (“Keine
Ahnung, aber zu allem ‘ne Meinung”) die aus Prinzip unken wenn
sie beispielsweise Einheits-Solidaritäts-Rundfunkbeiträge (oder wie
das heißt) freiwillig zu zahlen haben. Doch werden sie plötzlich
auch auf viele ernüchterte und geläuterte Kritiker & Zweifler
treffen, die ihre Freiheit, Mündigkeit und Selbstverantwortung prinzipiell nicht an geisterhaft weiterrollende Medienmaschinerien
(bzw. “Systeme” aller Art) abtreten wollen, sondern sich lieber
auf ein gesundes Zusammenspiel von Kopf, Bauch und Herz im Umgang mit
ihren Mitmenschen verlassen und ihren eigenen Weg zu gehen wünschen.
Ein
Wort noch zum Internet: Es gibt einen Haufen User die verächtlich
auf TV-Glotzer herabsehen, die sich passiv vom Weißen Rauschen
hinter den bunten Bildern bestrahlen lassen, weil das WWW im
Gegensatz dazu ja so schön “interaktiv” ist und man selber
auswählen kann, mit was man sich die Synapsen weichkochen möchte.
Soll heißen, sie brauchen nicht mehr die Einbahnstrasse fröhlicher
TV- Passiv-Bestrahlung nutzen, die sie sabbernd mit offenem Mund
dasitzen lässt wenn der Bergdoktor ruft, nein, sie können sich
jetzt sogar gegenseitig mit neuestem Tratsch, Klatsch, Sensationen,
Schund und Hysterie verblöden bis niemand mehr zwischen echter
Information und selbst- oder fremdgekochter Desinformation
unterscheiden kann.
Oder
zwischen klarer Lebensperspektive zum Anfassen und quasi
vor-halluzinierten Bilderwelten.
Besser
lässt sich unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit nämlich nicht in
Myriaden Neben(Kriegs-)schauplätze fragmentieren, denn die Neue Weltordnung ruft ! (Nicht der Bergdoktor). Aber ganz
soweit sind wir noch nicht, dazu müssen erstmal die ganzen privaten
Online-Terroristen weg, die das schöne “Netz” mit Kreativität
und bewusstem Sein verschandeln.
Denken
sie immer daran: Das was sie da in der Glotze sehen sind nur
Beschreibungen, so wie ihre soziale Identität, ihre Persona nicht
wirklich sie selbst, der reale Mensch mit realen Bedürfnissen und
Empfindungen ist, sondern nur eine (mittlerweile ziemlich billige)
Plastikausführung davon (egal ob mit Diplom, Geld,
Gütern und Titeln befrachtet)
Nach erfolgreicher Absolvierung dieses Zehn-Punkte-Programms werden
sie sowieso nicht mehr wie bisher an diese in hysterische kleine
Emotionsblasen verpackten Bilderwelten glauben, wenn überhaupt.
Selbst
der Christen-Gott sagt ja schon seit Jahrtausenden, dass man sich
verdammt nochmal kein Bild von ihm machen soll.
Recht
hat er : Das wahre Leben findet nämlich immer noch woanders statt.
Hoffe ich zumindest…
Viel Erfolg !